Das Seminar "Medizin und Recht"


I. Eine Idee und wie sie sich entwickelte ...

Der Grundstein des gemeinsamen Seminars von ELSA Mannheim e.V. und ELSA Heidelberg e.V. liegt wohl irgendwo Anfang 1994 bei der ELSA-Generalversammlung in Frankfurt. Damals hatten Heidelberger und Mannheimer erstmals etwas miteinander zu tun, und ganz unsympathisch waren wir uns auch nicht. Spontan wurde der Gedanke gefaßt, in Zukunft doch eine gemeinsame Veranstaltung zu organisieren, was sich bei der Nähe der beiden Städte Mannheim und Heidelberg geradezu anbot. Nach diesem Entschluß ging eine Menge Zeit ging ins Land, die unterbrochen wurde von einigen gegenseitigen Besuchen.

Zunächst unabhängig voneinander verdichtete sich in beiden Fakultätsgruppen die Idee, ein Seminar abzuhalten. Da dies jedoch bekanntlich mit einer Menge Aufwand verbunden ist, bestanden auf beiden Seiten zum Teil erhebliche Zweifel, ob ein solches Projekt von einer Gruppe alleine zufriedenstellend realisiert werden könnte. Aus dieser Situation heraus erinnerten wir uns an die Möglichkeit eines Gemeinschaftsprojektes, und so kam es, wie es kommen mußte: Bei einem der Treffen Anfang 1995 faßte man ein gemeinsames Seminar ins Auge. Was unser damaliger Vorstand ausheckte, sollte alsbald an den beiden Referenten für Seminare und Konferenzen hängenbleiben.

II. Ein Ziel vor Augen ...

Mit dem Seminar "Medizin und Recht" wollten wir im Bereich "Seminars & Conferences" vor allem zwei neue Akzente setzen. Zum einen galt es, die Möglichkeiten der Verknüpfung von medizinischen und juristischen Fragen in einem gemeinsamen Themengebiet aufzuzeigen. Dies hofften wir gerade durch Referenten und Teilnehmer aus den Bereichen Medizin und Rechtswissenschaften zu erreichen. Zum anderen ist zu betonen die Zusammenarbeit zweier ansonsten selbstständiger ELSA-Gruppen, die ein hohes Maß an Abstimmung und Team-Arbeit erforderlich machte.

III. Koordination und Organisation

Für uns beiden Hauptverantwortlichen war die Planung und Durchführung einer solchen Veranstaltung Neuland, da die letzten Seminare in Mannheim und Heidelberg von anderen Personen organisiert wurden und teilweise schon Jahre zurück lagen. Ein geeignetes Thema war schnell gefunden, auch aufgrund unserer sich letztlich überschneidenden Interessenlage für den Seminarinhalt: "Medizin und Recht" ward geboren. In der Folgezeit trafen wir uns mehr oder weniger regelmäßig, schmiedeten allerlei Pläne und verteilten die Aufgaben auf viele verschiedene Schultern, ohne die das Projekt sicherlich nicht zu realisieren gewesen wäre.

Wenn man von einer organisatorischen Arbeitsteilung sprechen möchte, dann vor allem in der Vorbereitungsphase: So waren Fundraising, Beschaffung der Unterkünfte und das Anmeldeverfahren im wesentlichen Mannheimer Aufgabe, während sich die Heidelberger vor allem um die örtlichen Gegebenheiten und die Gestaltung des Rahmenprogrammes kümmerten. Inhaltliche Gestaltung und die Auswahl der Referenten war dagegen gemeinsame Angelegenheit. Nach einigen beratenden Gesprächen mit Professoren über aktuelle medizinisch-juristische Probleme kristallisierten sich sehr bald die Schwerpunkte des Seminars heraus: "Humangenetik" und "Transplantationsproblematik".

IV. Das Ergebnis kann sich sehen lassen ...

Das dreitägige Seminar "Medizin und Recht" fand unter der Schirmherrschaft der Dekane der Fakultäten für Rechtswissenschaft in Heidelberg, Prof. Dr. Brugger, und Mannheim, Prof. Dr. Sack, vom 19. bis zum 21. April 1996 in Heidelberg statt. An der Veranstaltung, deren Vorträge in der Heuscheuer stattfanden, einem schönem und praktischen Hörsaal direkt in der Heidelberger Altstadt, nahmen insgesamt 85 Seminarteilnehmer teil. Davon kamen 55 aus ganz Deutschland, die in der Heidelberger Jugendherberge untergebracht wurden, und weitere 30 aus dem Großraum Mannheim/Heidelberg. Besonders gefreut haben wir uns auch über die 15 Medizinstudenten, die für sie neues Juristisches Land beschritten haben.

Die Veranstaltung wurde mit einem Vortrag von Prof. Dr. iur. Adolf Laufs zum Thema "Rechtliche Grenzen der Neulandmedizin" eröffnet, weitere Referenten waren Prof. Dr. iur. Eibe Riedel ( Bioethik aus juristischer Perspektive ), Prof. Dr. med. Friedrich Vogel ( Fragen der Humangenetik ), Prof. Dr. iur. Günther Wiese ( Genetische Analysen ), Prof. Dr. med. Axel Rethwilm ( Möglichkeiten und Grenzen der Gentherapie ), Prof. Dr. iur. Thomas Hillenkamp ( Der Tod im Strafrecht ), Prof. Dr. iur. Jochen Taupitz ( Das Recht im Tod - Freie Verfügbarkeit der Leiche ? ) und der Soziologe Dr. Volker Schmidt ( Verteilung knapper Gesundheitsgüter ).

V. Reichlicher Diskussionsstoff

Als Gütesiegel für die Qualität der Referenten und ihrer Vorträge mag der Hinweis dienen, daß trotz des sommerlichen Aprilwetters ( !!! ) mit rekordverdächtigen Temperaturen ausgiebig diskutiert worden ist. Dazu trug wohl aber auch die Aktualität der einzelnen Themen bei, es sei nur auf die freitägliche Lesung im Bundestag zum Entwurf eines Organtransplantationsgesetzes und die sonntäglichen Vorträge zu eben diesem Thema hingewiesen, die somit nahezu parallel zueinander stattfanden. Deutlich wurde bei einer Gegenüberstellung der einzelnen Vorträge von Medizinern und Juristen, daß die jeweiligen Anforderungen an die Gesetzgebung durchaus unterschiedlich ausfallen. Während von medizinischer Seite eher eingewandt wurde, die in Deutschland sehr restriktive Gesetzgebung behindere die Forschung und führe z.T. zu Belastungen der Arzt-Patienten-Beziehung, waren die Juristen eher der Meinung, daß eben nicht alles medizinisch Mögliche erlaubt sein solle.

VI. Unvermeidbares Rahmenprogramm

Abgerundet wurde das Seminar "Medizin und Recht" durch ein Rahmenprogramm, mit dem zum einen für das leibliche Wohl der Teilnehmer gesorgt wurde. Highlight war dabei sicherlich das Essen im Heidelberger Schloss-Restaurant. Zum anderen lud aber auch das Nachtleben der Heidelberger Altstadt zu ausgiebigen Streifzügen ein, von denen nicht wenige Teilnehmer des Seminars "Medizin und Recht" Gebrauch machten. Darüber hinaus bot sich ob des schönen Wetters die Gelegenheit, über die Alte Brücke hinweg den Philosophenweg zu bewandern und den Ausblick auf Altstadt und Schloß zu genießen.

VII. Unser Resümee ...

Alles in allem können wir sagen, daß das Seminar "Medizin und Recht" sehr gut gelaufen ist, vielleicht sogar besser, als wir ursprünglich gehofft hatten. Die Anfragen für eine Teilnahme überstiegen unsere Erwartungen, so daß wir von vorgesehenen 30-50 Teilnehmern auf über 80 erhöhen konnten. Auch die finanzielle Seite verlief sehr positiv, da unser Fundraising vor allem bei pharmazeutischen Unternehmen sehr erfolgreich gewesen ist. Wir sind mit dem Erreichten sehr zufrieden. Von vielen Teilnehmern haben wir positive Rückmeldungen erhalten, und auch die Referenten zeigten sich angetan über unsere Aktivitäten.

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei allen Helfern, aber auch bei allen Referenten und Sponsoren, die alle ihren Teil beigetragen haben und ohne die das Seminar "Medizin und Recht" nicht hätte stattfinden können. Neben all den Erfahrungen, die wir mit diesem Projekt gemacht haben ( und das waren sicherlich nicht wenige ), konnten wir auch eine gehörige Prise "ELSA-Spirit" genießen. Deshalb können wir wirklich jedem empfehlen, einmal ein "ELSA-Seminar" zu besuchen, bei etwas Ähnlichem mitzuwirken oder sogar selbst zu organisieren.

stud. iur. Stefan Deyerler und Eva Kreußer, Referenten für Seminare & Konferenzen in Mannheim und Heidelberg im Sommersemester 1996

Dieser Bericht ist in ähnlicher Form in der Ausgabe Nr. 10 vom Juli 1996 des Juropean, der Mitgliederzeitung von ELSA Deutschland e.V. auf der Seite 10 f. veröffentlicht worden.


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