Reform der Juristenausbildung

  Letzte Änderungen am 06. Februar 1998.


Derzeit wird von den zuständigen Stellen, aber auch von mittelbar und unmittelbar Betroffenen über eine Reform der juristischen Ausbildung nachgedacht. Damit ist einer der politischen Dauerbrenner der Juristischen Diskussionspunkte wiederbelebt worden, wobei angesichts des öffentlich-rechtlichen Status der Referendare als Anstoß die Kostenfrage gestanden haben dürfte.

Im Vordergrund der aktuellen Debatte steht daher auch die Organisation der Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen. In diesem Rahmen dreht sich die Diskussion zunächst einmal um die Abkehr vom sogenannten Einheitsjuristen und um eine Aufgliederung der Ausbildung, die nach derzeitigem Stand der Dinge wohl auf die Dreiteilung der Ausbildung in Gerichtsbarkeit - Verwaltung - Anwaltschaft hinauslaufen dürfte. Probleme in dieser Hinsicht dürften vor allem hinsichtlich der Möglichkeit bestehen, innerhalb der Ausbildung ein einmal gewähltes Ausbildungsziel zu ändern ( hierbei geht es um die sogenannte Durchlässigkeit der Ausbildung ), aber auch im Hinblick auf eine einheitliche Ausbildung bestehen Bedenken. Schließlich wird von einigen Seiten befürchtet, zusätzliche bzw. neue Zulassungsbeschränkungen gerade im Bereich der Anwaltschaftlichen Tätigkeit zu errichten.

Im Rahmen der aktuellen Diskussion geht es aber auch um einige andere Punkte.

Zum einen wird die Möglichkeit erörtert, das Erste Staatsexamen als Universitätsexamen zu organisieren und damit den Status der Rechtswissenschaftlichen Fakultäten aufzuwerten. Dies wäre mit einer Erweiterung der Autonomie der Universitäten, aber auch mit einer zusätzlichen Arbeitsbelastung des wissenschaftlichen Personals verbunden. Gegenüber den inzwischen fast "gewohnheitsrechtlich" anerkannten Repetitorien würde es den Fakultäten die Möglichkeit geben, verlorenen Boden zurückzugewinnen und wieder mehr Einfluß auf die juristische Ausbildung zu gewinnen. Auch die Einführung bzw. die Erweiterung von Leistungsnachweisen und Zwischenprüfungen wird erwogen, um die Qualität der Studierenden zu steigern.

Weiterhin geht es darum, die Inhalte der Juristischen Ausbildung neu zu ordnen. Angesichts der fortschreitenden Spezialisierung im juristischen Bereich und des ständig ansteigenden Bedarfs an Einzelwissen auch in Rechtsgebieten, die in den Prüfungsordnungen als "im Überblick" zum Prüfungsstoff zählen, ist es dringend erforderlich, einen Ausgleich zwischen einer juristischen Grundlagen-Ausbildung und der Option auf den Erwerb spezieller Rechtskenntnisse zu finden.

Zu hoffen ist, daß die Diskussion nicht nur vom Standpunkt der Kostenreduzierung her geführt wird, sondern der Weg zu einer möglichst ausgewogenen Reform gefunden wird. Nicht zu vergessen, daß an der Diskussion auch diejenigen teilnehmen sollten, die davon betroffen sein werden: nämlich die Studenten, die letztlich die Leidtragenden eines Versäumnis der erforderlichen Umstrukturierung der Juristischen Ausbildung sein würden.

    Wilhelmshaven, den 19. September 1997

    Stefan Deyerler


Wer sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Reform der Juristischen Ausbildung machen möchte, sei verwiesen auf die Übersicht mit Veröffentlichungen zu diesem Thema auf der Homepage von ELSA-Mannheim e.V..

Wer Interesse an einer Diskussion über o.g. Thema besitzt, wende sich bitte an mich unter stefan(at)deyerler.de. Am Austausch von weiteren Quellen und Informationen bin ich ebenfalls interessiert.


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